Die 4 nachhaltigsten Wohnprojekte in Österreich

Na-Wo Award geht an KliNaWo, Haus of Commons, Sonnengarten Limberg und Bikes and Rails.

Heinz Fuchsig in seinem Haus of Commons. Foto: Energie Tirol/Blitzkneisser

Wie bekommt man leistbares Wohnen mit Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit unter einen Hut? Und ist das jetzt bereits möglich? „Uns ist es wichtig aufzuzeigen, dass die drei Komponenten der Nachhaltigkeit – Dekarbonisierung, Leistbarkeit und soziale Inklusion – im Wohnbau zusammen gedacht werden müssen. Vorreiterprojekte, die diese Kriterien erfüllen, gilt es, vor den Vorhang zu holen“, so Markus Hafner-Auinger (Geschäftsführer des Klimabündnis Österreich).

Über 30 Einreichungen

Dafür hat das Klimabündnis gemeinsam mit der Technischen Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und der KSÖ (Katholische Sozialakademie Österreichs) im Rahmen des Projekts „decarb inclusive“ den sogenannten Na-Wo Award ins Leben gerufen. Eingereicht wurden über 30 nachhaltige Wohnprojekte von Gemeinden, Bauträgern, Architekten(büros), Privatpersonen und Vereinen in ganz Österreich. Der Na-Wo Award wird im Zuge des Projekts „decarb inclusive“ umgesetzt, das im Rahmen des Programms „Austrian Climate Research Program“ vom Klima- und Energiefonds gefördert wird.

Die vier Siegerprojekte wurden nach einer projektinternen Vorauswahl von einer Fachjury bestehend aus Elisabeth Matt (Österreichische Energieagentur / klimaaktiv), Alexandra Bauer (die Umweltberatung), Marina Fischer-Kowalski (emeritierte Univ.-Prof. für Soziale Ökologie) prämiert.

Mehrfamilienhaus KliNaWo in Feldkirch
Foto: Energieinstitut Vorarlberg

KliNaWo (Feldkirch, Vorarlberg)
Energieeffizienz ist wirtschaftlich

Mit dem von AK Vorarlberg, VOGEWOSI, Energieinstitut Vorarlberg sowie Uni Innsbruck durchgeführten Projekt gelingt es, die Diskussion um Energieeffizienz und Kosten zu versachlichen. Errichtet wurde ein dreigeschossiges Mehrfamilienwohnhaus mit 18 Wohneinheiten und großem Gemeinschaftsraum in Feldkirch Tosters. Das Modellvorhaben wurde an einem gemeinnützigen Wohnbau durchgeführt, um aufzuzeigen, dass hohe Effizienz und Nutzung erneuerbarer Energien auch bei knapperem Budget möglich ist. 60.000 Varianten wurden im Hinblick auf Energiebedarf, CO2-Emissionen, Bau- und Lebenszykluskosten untersucht. Für das Gebäude wurden u.a. Varianten in vier Konstruktionsarten, zwei Hüllqualitäten, mit vier Wärmeversorgungssystemen und mehreren unterschiedlichen Lüftungs- sowie Solarsystemen geplant und ausgeschrieben. Gebaut wurde nicht wie üblich die in der Errichtung günstigste Variante, sondern die mit den niedrigsten Lebenszykluskosten. Die Realisierungsvariante hat eine Hülle in Passivhausqualität, eine Abluftanlage sowie je eine Sole-Wärmepumpe für Heizung und für Warmwasser sowie eine thermische Solaranlage mit Heizungsunterstützung. Ein Hauptaugenmerk liegt auch auf der sozialen Komponente. Wie in Vorarlberg üblich gelten für das Projekt vergleichsweise hohe Einkommensgrenzen und es werden bei der Ausstattung bewusst nicht „billige“, sondern werthaltige Standards gewählt, so dass eine gute soziale Durchmischung erreicht und eine Ghettoisierung vermieden wird. Dazu trägt auch bei, dass die Wohnungen mit einem Mietkaufmodell angeboten werden, bei dem die Bewohner die Wohnungen nach 10 Jahren erwerben können.

Das Projekt KliNaWo wurde als Projekt des Comet-Zentrums alpS in Innsbruck durchgeführt. Comet-Projekte werden durch die Bundesministerien BMVIT und BMWFW sowie durch das Land Vorarlberg gefördert und durch die FFG abgewickelt.

www.energieinstitut.at/gemeinnuetziger-wohnbau-kostenoptimiert

Logo des Na-Wo Awards

Haus of Commons in Innsbruck (Innsbruck, Tirol)
Familienfreundlich, ökologisch und glücklich vermieten

Seit über 100 Jahren besteht das Zinshaus im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Es ist ein typisches Stadthaus im Besitz von Dr. Heinz Fuchsig. Der Arbeits- und Umweltmediziner hat es kontinuierlich saniert und ausgebaut: die Straßenfassade wurde gedämmt, die Holzveranden isoliert und 24 m² Sonnenkollektoren installiert. Obwohl die Wohnnutzfläche vergrößert wurde, konnte der Heizwärmebedarf halbiert werden. Seit 2014 wird die verbrauchte Energie vollständig mit erneuerbaren Ressourcen gedeckt – zwei zentrale Wasser-Wärmepumpen und ein Solarspeicher versorgen die gesamte Wohnanlage mit Wärmeenergie. Die Anzahl der BewohnerInnen stieg im Laufe der Jahre von 18 auf 30. Eine Fülle von Ideen sorgen dafür, dass die Hausgemeinschaft zusammenwächst. Im „Leihkammerl“ werden Dinge gesammelt, die man gemeinsam besitzt: Spiele, Bücher, Sportgeräte oder Küchengeräte. Nach dem Motto "Abfüllen statt Zumüllen" können im Leihkammerl auch Großgebinde vorrätig gehalten werden, aus denen man sich bei Bedarf Klebstoff, Wasch- und Putzmittel, Tinte usw. abfüllen kann. Weiters gibt es eine Gemeinschaftswerkstatt und ein "Materialeck“, in dem Leisten, Bretter oder Tafeln aus Holz oder Metallteile aufbewahrt werden. Geteilt wird auch im Grünen. Der Gemeinschaftsgarten umfasst ein Hochbeet und eine Bierzeltgarnitur. Und falls die Schuhe von der Gartenarbeit schmutzig sind, gibt es eine Gemeinschafts-Schuhputzmaschine.
www.tirol2050.at/de/geschichten-des-gelingens/zinshaus-pradl/

Baufortschritt Sonnengarten Limberg in Zell am See
Foto: Stadtgemeinde Zell am See

Sonnengarten in Limberg (Zell am See, Salzburg)
Wohnen.leben.wohlfühlen

Auf rund 22.000 m² werden seit Mai 2017 insgesamt 79 geförderte Mietwohnungen, 1 Gästeappartement, 61 förderbare Eigentumswohnungen und 38 exklusive Eigentumswohnungen gebaut. Auf dem Areal entsteht ein Nahversorger, ein Kindergarten, Multifunktionsräume, Gemeinschaftsgärten, ein mietbares Gästeappartement und viele weitere Besonderheiten. Das Projekt Sonnengarten Limberg verbindet nachhaltige Stadtplanung und Energieplanung und zeigt, wie innovative Energiekonzepte in Österreich umgesetzt werden können. Mit einer eigenen Pelletsheizzentrale, einem Nahwärmenetz und Photovoltaikanlagen soll der Energiebedarf zu 100 % aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden. Weitere gesellschaftsrelevante Themen wie nachhaltige Mobilität, das Miteinander von Generationen und leistbarer Wohnraum sind Teil des Konzepts. Die Stadtgemeinde Zell am See hat im Rahmen des Projektes Sonnengarten Limberg einen Leitfaden für nachhaltiges und zukunftsweisendes Bauen entwickelt. Außerdem wurden eine Qualitätsvereinbarung und ein innovativer Stadt- bzw. Energieplanungsprozess erarbeitet und umgesetzt. In der Tourismushochburg bilden diese Prozesse die Grundlage für die Realisierung eines nachhaltigen Stadtentwicklungsgebietes. Der verwendete Ansatz der Quartiersbewertung bewertet die Energieperformance einer ganzen Siedlung statt einzelner Gebäude. Die Einbindung der Bevölkerung und unabhängiger ExpertInnen waren wichtige Schritte für den Erfolg des Projektes.
www.sonnengartenlimberg.at

Bikes and Rails (Wien)
Ökologisch, Solidarisch, Unverkäuflich

Die Baugruppe "Bikes and Rails" errichtet im Stadtentwicklungsgebiet Sonnwendviertel-Ost hinter dem Wiener Hauptbahnhof ein Passivhaus in Holzriegelbauweise. Nachhaltig ist bei Bikes and Rails jedoch nicht nur die fürs Radfahren optimierte und ökologische Architektur. 18 Wohnungen, Gewerbeflächen und Gemeinschaftsräume umfasst das Mietshausprojekt. Das Erdgeschoß soll ein Grätzel-Treffpunkt mit Cafe und Werkstatt werden, im 1. Stock wird eine WG-Wohnung mit der Plattform Flüchtlinge Willkommen realisiert. Damit das alles möglich wird und Menschen unabhängig von ihrem finanziellen Möglichkeiten Teil des Projektes werden können, hat die Baugruppe eine solidarische Crowd-Lending-Kampagne gestartet: Über 1,1 Mio. EUR sind auf diese Weise bereits zusammen gekommen, die noch fehlenden 400.000 EUR sollen bis Ende 2019 aufgebracht werden. Bikes and Rails will damit auch ein Modell für zukünftige Baugruppen etablieren das zeigt, wie selbstorganisierter, bezahlbarer Wohnraum für alle geschaffen und dauerhaft gegen Verwertung am Immobilienmarkt abgesichert werden kann. Das Hausprojekt ist Teil des habiTAT-Mietshäuser Syndikats, einem Zusammenschluss solidarischer Hausprojekte in Österreich, mit dem Ziel, Immobilien freizukaufen und selbstverwaltete und bezahlbare Räume zu sichern. Durch die Rechtskonstruktion im habiTAT wird das Haus für alle Zeiten dem Markt entzogen und der Weiterverkauf unmöglich - niemand verdient an den Mieten.
www.bikesandrails.org

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