Mitglied des Monats

Gemeinsam mit der Gemeinde, zwei Betrieben und dem Kindergarten ist die Volksschule Serfaus im letzten Jahr dem Klimabündnis-Netzwerk beigetreten. Direktor Patric Niederbacher ist voller Tatendrang. Wir haben unser „Mitglied des Monats“ zum Gespräch getroffen:
Kind mit Schultasche schaut auf Dorf im Tal

Hallo Patric, die ganze Welt beschäftigt sich zurzeit mit der Corona-Pandemie. Wie geht ihr mit dem Thema um?

In Serfaus sind wir zum Glück weitgehend verschont geblieben und konnten unseren Schulalltag fast durchgehend aufrechterhalten. Eine leere Schule, ohne Kinder – das hat mir schwer zu schaffen gemacht. Aber es ist wieder Leben eingekehrt und wir machen uns mehr Sorgen ums Klima, als um Corona.

Siehst du Zusammenhänge zwischen Klima- und Gesundheitskrise?

Ja, definitiv. Natürlich dürfen wir Corona nicht kleinreden, weil es schlimme Folgen für viele hat. Aber die Krise birgt auch Chancen für einen neuen Lebensstil: Wir haben gelernt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Weniger Verkehr, weniger Flugzeuge – das ist ein Mehrwert für unsere Umwelt. Corona werden wir überstehen, aber der Klimawandel wird nicht so einfach zu bewältigen sein.

Kinder einer Volkschule stehen in der Gruppe zusammen und halten einen Globus gemeinsam in die Luft

Man merkt, dass dir das Thema wirklich ein Anliegen ist. Woher kommt deine Motivation? 

Ich war immer schon ein naturverbundener Mensch. Aber die Dringlichkeit, mit der es gilt, gegen den Klimawandel vorzugehen, habe ich von den Kindern gelernt – in der Schule und zu Hause. Die Fridays for Future Bewegung rund um Greta Thunberg hat mich sehr beeindruckt. Auch bei uns in der Schule sehe ich viele Kinder, die den Geist von Greta in sich tragen. Daher empfinde ich es als unsere Aufgabe, den Kindern und Jugendlichen zuzuhören und ihre Forderungen ernst zu nehmen. Wir müssen vom Denken ins Tun kommen! 

Und was wollt ihr als Klimabündnis-Schule tun?

Wir haben uns einiges vorgenommen und unsere Pläne in fünf Säulen gegossen (siehe unten): das Schulgebäude, die Gestaltung des Schulalltags, Bewusstseinsbildung im Unterricht, außerschulische Aktivitäten und die Öffentlichkeitsarbeit im Dorf. Mit unserem Konzept machen wir auch bei der Kinder-Klimaaktion von Energie Tirol mit und hoffen, eine Photovoltaikanlage für unser Dach zu gewinnen.

Neben baulichen Maßnahmen spielt also Bewusstseinsbildung eine große Rolle?

Ja, genau. LED-Beleuchtung ist gut, aber wichtiger ist ein Umdenken in den Köpfen und das gelingt nur durchs Reden und Weitererzählen. Da sehe ich großes Potenzial, weil unsere Kinder als Meinungsmacher in der Gemeinde auftreten. Unser Ziel ist es, dass wir es andern möglichst schwer machen, nicht mitzutun. Unser Denken darf nicht am Schultor enden.

In Serfaus gibt es ein starkes Netzwerk für den Klimaschutz. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Ich bin wirklich begeistert, wie die Gemeinde hier agiert und uns unterstützt. Es gibt einen eigenen Ausschuss für Nachhaltigkeit, in dem ich selbst mitarbeiten darf, gemeinsam mit Personen aus der Politik, Wirtschaft, Seilbahnen, Hotels, Bildung. Alle Zukunftsthemen für die Gemeinde werden offen besprochen und abgewogen und unser Ausschuss hat eine wichtige beratende Funktion für den Gemeinderat.

 

 

 

 

Es gibt einen Pioniergeist in Serfaus, der historisch gewachsen ist: Schon der Bau der U-Bahn 1983 war ein mutiges Projekt. Damals haben sich viele über die Serfauser lustig gemacht und heute ist die U-Bahn als Leuchtturmprojekt im ganzen Land bekannt.

Kind mit Schultasche schaut auf Dorf im Tal

Viele denken sofort an Tourismus, wenn sie Serfaus hören. Wie gehen Nachhaltigkeit und Tourismus zusammen? 

Weniger ist mehr. Es geht jetzt nicht mehr um Ausbau und Vergrößerung, sondern darum, alles, was schon da ist, nachhaltiger zu gestalten. Wirtschaftlicher Erfolg ist nicht das Maß aller Dinge. Ein wichtiger Schritt war die Entscheidung vor 20 Jahren, weg vom Après-Ski- hin zum Familien-Tourismus zu gehen. Dieser Zielgruppe ist nachhaltige Entwicklung ein Anliegen. Und diesen Weg tragen wir als Schule mit. 

Volksschule Serfaus: Die 5 Säulen des Klimaschutzes 

 

  1. Schulgebäude: Energiepolizei (Licht ausschalten), Müllpolizei (Trennen, Müllvermeidung), bauliche Maßnahmen im Schulgebäude (LED-Beleuchtung, Bewegungsmelder), Freiluftklasse mit bienenfreundlichen Pflanzen. 
  2. Gestaltung des Schulalltags: Zu Fuß in die Schule, Plastikverzicht, Alternative zur Schulausstattung, Lern – und Lehrmaterial aus Kunststoff. 
  3. Bewusstseinsbildung im Unterricht: eine Schulstunde pro Woche zum Thema Klimaschutz, Workshops mit Klimabündnis und Energie Tirol, Kasperltheater. Installation eines Schulrates, der sich um wichtige Themen kümmert.
  4. Aktivitäten mit der Schule: Schulimkerei, Bienenwachstücher. 
  5. Öffentlichkeitsarbeit der Schule: Eigene Veranstaltungen als Green Events, Repair Café, Tauschmärkte, Klimapfad durch das Dorf mit Blumenbeeten und Schildern, auch für Gäste in mehreren Sprachen. 
mehrere Personen bei feierlichen Klimabündnisbeitritt

GEMEINDE, BETRIEB ODER BILDUNGSEINRICHTUNG: JEDEN MONAT HOLEN WIR EIN BESONDERS ENGAGIERTES KLIMABÜNDNIS-MITGLIED VOR DEN VORHANG

Mitglied des Monats Badge