Zukunftsfitter
Boden

Drei Tiroler Klima-Landwirtschaftsmodellregionen

Klima-Landwirtschafts-Modellregionen: Gemeinsam Tirols Landwirtschaft zukunftsfit gestalten

Wie kann Landwirtschaft mit trockenen Böden, Hitze und Starkregen umgehen? In drei Tiroler Klima-Landwirtschafts-Modellregionen werden neue Kulturen ausprobiert, Böden untersucht und klimaangepasste Bewirtschaftungsformen entwickelt.

Gesunde Böden gegen Trockenheit

Der bisherige Jahresverlauf 2026 hat die Folgen eines wechselhaften Klimas in Tirol deutlich vor Augen geführt: Auf einen trockenen Frühling und Frühsommer folgten immer wieder starke Regenfälle, bei gleichzeitig häufigen Hitzetagen. Für landwirtschaftliche Betriebe bringen solche Extreme viele Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger sind Böden, die mit diesen wechselnden Bedingungen gut umgehen können. Gesunde, humusreiche Böden nehmen Wasser besser auf, speichern es länger und helfen Pflanzen, Trockenphasen besser zu überstehen.

Zukunftsfitte Landwirtschaft

Gerade deshalb braucht es Landwirtschaft und Landwirt:innen, die mit diesen Veränderungen umgehen kann. Wie das gelingen kann, lässt sich nicht mit einer einzigen Lösung beantworten. Es braucht unterschiedliche Ansätze, die ausprobiert, weiterentwickelt und an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Genau hier setzen die Klima-Landwirtschafts-Modellregionen an: Sie schaffen Raum für neue Ideen, praktische Erfahrungen und den Austausch zwischen Menschen, die Landwirtschaft täglich gestalten.

Bodenprojekt SOIL: OurInvisibleAlly

Das Klimabündnis Tirol ist im Rahmen des Projekts SOIL: OurInvisibleAlly in engem Austausch mit den Klima-Landwirtschaftsmodellregionen. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung und durch die Einladungen zu den Jurysitzungen konnten wir Einblicke in die Arbeit der Regionen gewinnen und den Austausch zu unterschiedlichen Ansätzen und Erfahrungen mitgestalten. Für die Offenheit und die spannenden Einblicke bedanken wir uns bei den Modellregionen herzlich. Die Jurysitzungen gewähren spannende Einblicke in die vielfältigen Wege hin zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, in der bereits viel ausprobiert und entwickelt wird.

Klima-Landwirtschaftsmodellregion KUUSK – Zukunft säen, Zukunft sehen

Die Klima-Landwirtschaftsmodellregion „Zukunft säen, Zukunft sehen“ in der Region KUUSK entwickelt und erprobt innovative Ansätze für eine zukunftsfähige Landwirtschaft unter den Bedingungen des Tiroler Unterlands. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Kulturen, Anbaumethoden und Bewirtschaftungsformen auch unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig ökologisch und wirtschaftlich erfolgreich sein können. Dabei verbindet die Modellregion landwirtschaftliche Praxis, Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit.

Herzstück des Projekts sind mehrere Versuchsflächen, auf denen alternative Kulturen und Anbaumethoden unter realen Bedingungen getestet werden. In Radfeld wurde beispielsweise ein Hirse-Linsen-Gemenge angebaut und der gesamte Wertschöpfungsprozess – von der Ernte über Trocknung, Reinigung und Abfüllung bis zur Weitergabe der Produkte an soziale Einrichtungen – begleitet. Dabei wurden auch Herausforderungen, wie fehlende Infrastruktur für die Getreidetrocknung, sichtbar und neue Lösungsansätze entwickelt.
Weitere Versuchsflächen befinden sich an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Weitau sowie in Schwoich. Während in Weitau verschiedenste Kulturen wie Popcornmais, Sojabohnen, Erdnüsse, Luzerne oder Kartoffeln gemeinsam mit Schüler:innen angebaut und betreut werden, stehen in Schwoich unter anderem Trockenreis, Haselnüsse, unterschiedliche Bohnensorten sowie innovative Mulchsaatversuche im Mittelpunkt.

So entstehen Erkenntnisse darüber, welche Kulturen und Bewirtschaftungsformen künftig auch in Tirol erfolgreich eingesetzt werden können. Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Modellregion ist der Wissenstransfer. Fachvorträge, Workshops, Exkursionen und Betriebsbesichtigungen fördern den Austausch zwischen Landwirtschaft, Forschung und Beratung. Gleichzeitig macht die Öffentlichkeitskampagne „ZukunftsAcker – Landwirtschaft neu denken im Klimawandel“ die Erfahrungen aus den Versuchsflächen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Modellregion beteiligt sich zudem an nationalen und internationalen Fachveranstaltungen und bringt ihre Erkenntnisse in europäische Netzwerke ein.

Klima-Landwirtschaftsmodellregion Landeck

Die Klima-Landwirtschaftsmodellregion Landeck steht unter der Vision „Berglandwirtschaf(f)t ein gutes Klima“. Ausgangspunkt ist, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels im inneralpinen Bezirk Landeck bereits deutlich bemerkbar machen. Gleichzeitig zeigt das Projekt auf, welchen wichtigen Beitrag die bäuerlichen Familienbetriebe bereits heute für Klimaschutz, Biodiversität und den Erhalt der Kulturlandschaft leisten. Im Mittelpunkt steht deshalb der gesamte ökologische Kreislauf von „Boden – Pflanze – Tier – Mensch“.

Die Modellregion Landeck verbindet Bewusstseinsbildung mit konkreten Praxismaßnahmen. Fachveranstaltungen vermitteln aktuelles Wissen zu Themen wie Bodengesundheit, Biodiversität, Klimawandel, Grünlandbewirtschaftung oder Humusaufbau und schaffen Raum für den Austausch zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft und Beratung. Gleichzeitig werden die Leistungen der Berglandwirtschaft für Gesellschaft und Umwelt sichtbar gemacht.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Praxisversuche, mit denen standortangepasste Lösungen für den Bezirk entwickelt werden. Dazu zählen Versuche mit trockenheitsangepassten

Grünlandmischungen, Silomais auf Grenzstandorten sowie Maßnahmen zur Optimierung wassersparender Bewirtschaftung. Ziel ist es, Erkenntnisse unter realen Bedingungen zu gewinnen und diese anderen Betrieben zugänglich zu machen.
Darüber hinaus betreut die Modellregion die Projektalm Verpeil, auf der untersucht wird, wie gezieltes Weidemanagement zur Reduktion von Naturgefahren beitragen kann. Vegetationsaufnahmen, Beratung zur Weideführung sowie Empfehlungen zu Koppelmanagement, Tränkestellen und Schwendmaßnahmen sollen dazu beitragen, Almflächen langfristig klimaresilient und nachhaltig zu bewirtschaften.

Klima-Landwirtschafts-Modellregion regio³

Die Klima-Landwirtschaftsmodellregion regio³ verfolgt das Ziel, landwirtschaftliche Betriebe im Bezirk Kitzbühel-Leogang bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen und gleichzeitig den Austausch erfolgreicher Praxisbeispiele zu fördern. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die unmittelbar in der landwirtschaftlichen Praxis anwendbar sind und gemeinsam mit den Betrieben weiterentwickelt werden.

Ein Schwerpunkt der Modellregion liegt auf den Almen. Innovative Maßnahmen für eine klimafitte Almwirtschaft werden unterstützt, um Erfahrungswerte zu sammeln und diese auch an andere Betriebe weiterzugeben. Die Maßnahmen umfassen Weidelenkung, Koppelmanagement, Wasserversorgung oder Schwendmaßnahmen. An zwei Standorten werden zum Freihalten der Almflächen in Zukunft auch kleine Wiederkäuer eingesetzt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen werden dokumentiert und im Rahmen von Exkursionen für andere Almbewirtschafter:innen zugänglich gemacht.
Ein weiterer Baustein ist die Entwicklung einer Bodenbroschüre, die landwirtschaftlichen Betrieben einen praxisnahen Überblick über Methoden der Bodenbewertung, Bodentests sowie bestehende Beratungs- und Förderangebote bietet. Die gemeinsam mit dem Klimabündnis Tirol erarbeitete Broschüre soll Landwirt:innen den Zugang zu geeigneten Untersuchungsmethoden erleichtern und Möglichkeiten zur Weiterbildung aufzeigen.

Darüber hinaus widmet sich die Modellregion dem Thema Moore in der Landwirtschaft. Exkursionen und Fachveranstaltungen zeigen die Bedeutung von Mooren und Feuchtflächen für Klimaschutz, Biodiversität und Wasserhaushalt auf. Am Beispiel des Sima-Moors werden Renaturierungsmaßnahmen vorgestellt und Möglichkeiten einer standortangepassten Bewirtschaftung diskutiert. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Wert dieser besonderen Lebensräume zu stärken und den Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu fördern.

Zudem ist die Region bestrebt im Zuge mehrerer an die Klima-Landwirtschaftsmodellregion anschließender Projekte den Wissenstransfer mit anderen europäischen Regionen zu fördern. Dabei geht es neben datenbasierter Wissensvermittlung, um grenzüberschreitende Kooperationen in der Vermarktung und die Entwicklung von Strategien zur Stärkung von Lebensräumen für Bestäuber als für die Landwirtschaft zentrale Ökosystemdienstleistung.

Kontakt

Julius Hecher